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Aktionismus – abcEtüden 44.45.22 #8

Berta war sofort skeptisch als die drei Jugendlichen den Laden betraten. Sie trugen FFP2-Masken und Kapuzenpullis. Dafür hasste sie die Masken. Man konnte niemanden erkennen.
Sie beobachtete wie sie durch die großzügigen Auslagen schlenderten. Auffällig unauffällig nach allen Seiten spähten, ob und wie viele Kunden im Laden waren. Einer blieb vor dem großen Terrarium stehen und besah sich die riesige Schildkröte. Er klopfte mit der Fingerspitze an die Scheibe, um die Aufmerksamkeit des großen alten Tieres zu erwecken. Doch das Tier reagierte nicht darauf. Berta hatte irgendwie das Gefühl, dass die Person ein Mädchen sein könnte. Sie war auch schlanker als die anderen beiden. Vielleicht weil ihr Finger so klein war, überlegte Berta.
Die Türglocke klingelte leise als der letzte Kunde den Laden verließ. Jetzt waren nur noch die drei und Berta im Raum.
Einer der drei schlenderte zur Ladentür. Berta hoffte, sie würden einfach wieder gehen. Doch der an der Tür blieb dort stehen.
Berta drückte mit dem rechten Fuß so unauffällig wie möglich auf den stummen Alarmknopf, den sie sich im letzten Jahr installieren lassen hatte. Im selben Moment hörte sie zwei kurze klickende Geräusche. Die beiden, die sich im Laden verteilt hatten, hatten Schlagstöcke ausgefahren und fingen jetzt unvermittelt an, die Einrichtung zu zerschlagen. Terrarien zersplitterten. Scherben flogen herum. Echsen flüchteten im Zickzack, um sich irgendwo zu verkriechen.
„Hört auf! Hört auf!“ flehte sie und lief in den Laden hinein. Ein Schlag traf sie am Unterarm, den sie zum Schutz hochriss. Es knackte und sie wusste, dass der Arm gebrochen sein würde. Die Vögel flatterten in ihren Käfigen. Ein Großsittich flog über sie hinweg. Durch den Lärm der Tiere hatte sie nicht gemerkt, dass die drei längst weg waren.
Berta weinte. Der Laden war alles, was sie hatte. Sie würde das alles nicht ersetzen können.



Nach all dem Krimi wollte ich noch eine andere Geschichte schreiben.
Diese Geschichte ist entstanden im Rahmen der Schreibeinladung von Christiane zu den abcEtüden.

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Veröffentlicht von Kain Schreiber

Gedanken. Geschichten. Bilder.

12 Kommentare zu „Aktionismus – abcEtüden 44.45.22 #8

      1. Du bist der Zweite, mit dem ich eine Diskussion darüber anfange, dass DU der Autor bist? Oder betrachtest du dich als Medium für derartige Geschichten? Ich meine das durchaus ernst, Figuren entwickeln ein Eigenleben, wenn sie stimmig sind … 🤔

        Gefällt 1 Person

      2. Es ist eine Geschichte. Ich bin kein Medium, sondern nur Erzähler.
        Ich glaube, alles wird immer extremistischer, weil es sonst nicht auffällt, keine Aufmerksamkeit findet.
        Tierschützer wollen alle Tiere befreien, ohne dabei zu beachten, dass sie in Freiheit gar nicht (über)leben könnten. Hier war ein Zirkus in der Stadt und Tierschützer haben die käfige geöffnet…als würde ein Kamel in einer deutschen Stadt gut leben können.

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      3. Ja, und die Frage ist, ob du in dasselbe Horn stößt oder nicht. Wenn du es nicht willst, könntest du dir überlegen, wie du etwas erzählst und dich gleichzeitig distanzierst. Das soll, versteh mich nicht falsch, keine Kritik sein, sondern ein Hinweis auf das Handwerk – ich finde den Text als Text gut, falls ich das nicht deutlich gemacht habe, aber er erschüttert mich in dieser Form.
        Die Aktion dieser sogenannten Tierschützer halte ich in so einer Form auch für Schwachsinn.
        Danke dir für deine Antwort. 🤔👍

        Gefällt 1 Person

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