Ein Königskuchen ist doch kein Genickbruch- 16.17.22 #1

Ein Königskuchen ist doch kein Genickbruch

„Pah!“ fauchte Günther sie an: „Das?! Das ist doch kein Königskuchen…“ Er schubste den großen runden Kuchenteller, den Sigrid von ihrer Mutter geerbt hatte, die ihn schon von ihrer Mutter hatte, mit einem verächtlichen Blick von sich weg. Gefährlich nah an den Rand des Küchentisches. Hastig fasste sie zu. Mit etwas zu viel Druck in der Hand – leider; denn dadurch hob sie den Tellerrand so ungeschickt an, dass der Kuchen hüpfte. Schnell fasste sie mit ihrer Linken danach, um sein runterfallen zu verhindern. Durch den festen Griff brach er entzwei. Tränen schossen ihr in die Augen.
Sie wusste noch wie Günther vor zwei Wochen in der Tür gestanden hatte und ihr von Wilhelms Schwärmerei von „seinem Königskuchen“, den er zu jedem seiner Geburtstage von seiner Frau gebacken bekäme, erzählt hatte. Günther hatte dann inbrünstig ausgerufen:
„Ich wünsche mir also von dir einen Königskuchen!“, obwohl er wusste, dass  Backen ihr nicht lag.
Also hatte sie sich Rezepte herausgesucht und gedacht: ‚Ach ein einfacher Rührkuchen. Das sollte machbar sein!‘.
Sie hatte sich akribisch an das Rezept gehalten und der Kuchen war ihr wirklich gut gelungen. Er roch köstlich. Fühlte sich beim Anpicksen leicht und locker an und sie hatte sich selbst stolz zugelächelt im Spiegel und sich gesagt:
‚Von so einem Kuchen kann doch nur träumen!‘ und jetzt das…Günther lachte sie aus, wie sie so da stand: den Teller gerettet, der Kuchen zerbrochen.
Jetzt wedelte Günther auch noch mit der Hand über den Teller und warf damit den Kuchen endgültig vom Tisch:
„Den Dreck kannste auch gleich aufkehren!“
Mit diesen Worten wandte er sich ab und wollte gehen, doch da traf ihn Omas Teller mit voller Wucht am Hinterkopf. Günther fiel um wie ein gefällter Baum. Als er mit der Stirn auf die Stuhlkante krachte, hörte sie wie sein Genick brach.

Eine Geschichte im Rahmen der Schreibeinladung von Christiane.

Veröffentlicht von Kain Schreiber

Gedanken. Geschichten. Bilder.

20 Kommentare zu „Ein Königskuchen ist doch kein Genickbruch- 16.17.22 #1

  1. Boah, was für ein Vollidiot, der Typ. Trotzdem finde ich es unglücklich, dass er derart das Zeitliche segnet, und seiner Sigrid tut er damit auch keinen Gefallen … 😟
    Ja, so kanns gehen. Echt blöd gelaufen. 🤔🙄
    Vielen Dank und so, war schon gespannt, ob du noch Zeit finden würdest 🧡👍
    Abendgrüße 🌅🍷🍪🦋👍

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  2. Wow!
    Backen ist gefährlich! Nicht nur die heisse Ofentür kann zu Verbrennungen führen, nein, auch das Backergebnis kann hochexplosiv sein.
    Die Spannungen zwischen Beiden sind fast greifbar und ich denke, der Kuchen war der Tropfen, der das Fass mit den aufgestauten Emotionen zum Überlaufen brachte.
    Diesem Ausraster der Frau müssen schon viele gedankliche vorausgegangen sein.
    Das Leben kann so grausam sein😌

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  3. Ich bin ja nicht der Meinung, dass man Menschen, die in den eigenen Augen – oder auch tatsächlich – „unnett“ sind, immer unbedingt ausgerechnet mit Gewaltausbrüchen begegnen „muss“. Wie man an deinem Beispiel sieht, führt das nicht selten zu „Lösungen“, die sich so aufschaukeln, dass letztlich beide Personen sehr unangenehm enden … .

    Gefällt 2 Personen

  4. „Den Dreck kannste auch gleich aufkehren!“ ist ja wohl der Höhepunkt der Respektlosigkeit und Verachtung. Ich schätze mal, über kurz oder lang wäre die Beziehung ohnehin gescheitert. Aber statt Genickbruch hätte es vielleicht eine humanere Lösung geben können: Dauer-schiefe-Nase, abgerissenes Ohr oder so.

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