Waldemar – abcEtüde 12.13.2021 #2

Waldemar

Das Kinn auf den Rand der Sofalehne gestützt, die Stirn in wunderhübsche Dackelfalten gelegt, lag Waldemar jetzt schon seit Stunden mit dem Rücken zu mir und schmollte.
Dabei roch er so schön fruchtig nach dem neuen Shampoo, das wir vorhin benutzt hatten. Obwohl die Couch gut drei Meter Raum zwischen uns ließ. Wenn ich versuchte, mich ihm zu nähern, knurrte er.
Leise, aber bestimmt.
Dabei müsste ich die sein, die schmollte.
Ich hatte noch gut das Scheppern im Ohr als die Spraydosen im Bad durch die Gegend flogen, weil Waldemar versucht hatte, zu flüchten. Baden war nun mal nicht sein Ding.
Dafür Ausflüge in diverse Schlammpfützen umso mehr.
Wieder einmal war er mit seinen kleinen kurzen Dackelbeinen davon gerast, weil er Witterung aufgenommen hatte. Schlamm hatte eine magische Anziehungskraft.
Es erstaunte mich immer wieder, wie schnell so ein Dackel sein konnte. Einen Moment hatte ich ihn noch sehen können, doch dann war er schließlich in ein Waldstück verschwunden. Hörte auf kein Rufen. Kam einfach zurück, wann es ihm passte. Vergessen die vielen Stunden in der Hundeschule. Peinlich, einfach nur peinlich war es mir. Auch mit dem verdreckten, mit Schlamm besudelten Hund durch das ganze Dorf zurück zu müssen.
Deshalb genoss ich das anschließende Baden mit ihm als meine kleine Rache. Irgendwann würde er aufhören zu Schmollen. Spätestens wenn sein Magen knurrte und nicht mehr der ganze Hund.

Eine kleine Dackelgeschichte im Rahmen der abcEtüden auf Schreibeinladung von Christiane.

Veröffentlicht von Kain Schreiber

Gedanken. Geschichten. Bilder.

12 Kommentare zu „Waldemar – abcEtüde 12.13.2021 #2

  1. „Er heisst Waldemar, und hat schwarzes Haar…“ hiess ein alter Schlager, und so stelle ich mir so einen schwarzen Kurzhaardackel vor, wie ihn Christianed Etüdenbild auch zeigt, nur in nass und flutschig im Bad randalierend – ich habe nämlich schon Hunde gebadet bzw. mit ihnen geduscht, um sie vom typischen Tierheimgestank zu befreien und danach jedes Mal das ganze (!) Bad putzen müssen. Einmal „fruchtig“ musste da wirklich sein. Danach blieben sie allerdings für immer von Shampoo verschont.

    Gefällt 1 Person

  2. Guten Morgen,

    ich denke, dass diese Missgeschicke alle kommen, da Hunde nicht gut sehen können. Daher überschätzen sich auch manche Hunde und knurren oder bellen größere Hunde an. Das ist jetzt nur meine Vermutung.

    Trotzdem eine sehr schöne Geschichte.

    Viele Grüße
    Monika

    Gefällt 1 Person

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