abc Etüde 21/22.20

Christiane hat am heutigen Sonntag ihre nächste Schreibeinladung herausgegeben, an der ich mich mit wachsender Freude beteilige. Hier kommt die Fortsetzung von Vertrauen und Trennung :

Erste Schritte

Zurückgehen, wenigstens die Tür zuknallen,…Aber was würde das ändern?

Marlen musste einsehen, dass sie – auch wenn sie diesen Schritt der Trennung getan hatte – wohl erst einmal tief fallen würde. In das tiefe Loch der Traurigkeit, das jeder Trennung folgte. Sie hasste diese emotionale Phase – all die Enttäuschung, die Wut auch über die geplatzten Träume garniert mit Trauer.

Sie sah Tom vor sich als wäre er real. Ganz nah. Spürte seinen wohlriechenden Atem, in dem Augenblick vor dem nächsten Kuss. Sie hatte es geliebt, ihm so nah zu sein. Sie fühlte sich eins mit ihm. Es tat so weh, sich davon ein für allemal zu verabschieden. Einfach schlimm!

Und natürlich stellten sich auch die Selbstzweifel ein: war es der richtige Schritt oder hatte sie vielleicht doch überreagiert? Sie dachte darüber nach während sie langsam am Hafen vorbei ging. Wer sie sah, konnte denken, es ginge ihr gut wie sie so vor sich hin schlenderte. Von Weitem sah man schließlich ihre Tränen nicht. Doch egal wie sie die Gedanken auch drehte und wendete, sie kam immer zu dem gleichen Schluss: es gab keinen Grund, die Entscheidung aufzuschieben. Es gab keinen Grund, Vertrauensbrüche zu sammeln wie Trophäen des Unglücks. Es war hart, gleich beim ersten Fehltritt so zu reagieren, aber nur weil etwas hart ist, ist es nicht falsch. Die besten Entscheidungen ihres Lebens waren immer auch ein wenig hart gewesen. Wie damals als sie gleich nach dem Abitur zu Hause ausgezogen war. Das war eine ziemliche schwere Zeit gewesen, aber es hatte sich gelohnt.

Marlen wusste: auch wenn die Tränen jetzt versiegten:sie würden wieder kommen, aber das war der Preis für diesen Schritt.

Sie hob den Kopf, atmete tief: was sie jetzt brauchte war ein guter Plan: ein Zeitplan, der sie zurückführen würde in ihr eigenes, eigenständiges Leben ohne Tom.

PS: 298 Worte – Ich musste das erste Mal kürzen

Veröffentlicht von Kain Schreiber

Gedanken. Geschichten. Bilder.

4 Kommentare zu „abc Etüde 21/22.20

  1. Wird dir noch öfter passieren, dass du kürzen musst. Manchmal hilft es, die Etüde erst mal komplett zu schreiben und dann zu kürzen, manchmal sieht man schon beim Schreiben ein, dass man sich thematisch für die 300 Wörter zu viel aufgeladen hat. Dann hilft (meiner Meinung nach) nur wegschmeißen, ganz vielleicht ganze Handlungszweige killen … oder auf die nächsten Extraetüden (weil 500 Wörter) hoffen … 😉
    Liebe Grüße
    Christiane 😀

    Gefällt 1 Person

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